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Fünfzehnte Ausgabe. 17. Dezember 2025

Liebe Kleist-Freundinnen und Freunde, liebe Mitglieder,

nach der anregenden Tagung zu Tönen und Musik bei Kleist und der damit so wunderbar korrespondierenden Kleistpreisverleihung an Daniela Seel geht dieses in vieler Hinsicht fordernde Jahr nun bald zu Ende. Impressionen der Matinée im Deutschen Theater finden Sie in diesem Abendletter.

Im Namen des Vorstands danke ich für das Vertrauen in unsere Arbeit und die Wiederwahl. Für diejenigen, die an der Mitgliederversammlung nicht teilnehmen konnten, nenne ich an dieser Stelle die neu- und wiedergewählten Beisitzerinnen und Beisitzer im Vorstand: Prof. Dr. Andrea Bartl (Bamberg), Prof. Dr. Astrid Dröse (Karlsruhe), Prof. Dr. Elke Dubbels (Osnabrück) und Prof. Dr. Martin Roussel (Köln). Ich freue mich auf die Zusammenarbeit, gerade mit Blick auf die geplanten und noch entstehenden Aktivitäten im Kleistjahr 2027.

Für diese Aktivitäten wünschen wir uns auch Ihren Einsatz: Sie wissen, dass wir Kleists 250. Geburtstag feiern wollen. Sie wissen vermutlich auch, dass wir Spenden und neue Mitglieder brauchen, um das Kleistjahr und unsere Zukunft als Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft vielstimmig zu gestalten.

Aktuell haben wir etwa 250 aktive Mitglieder: Wenn jede, jeder von Ihnen im nächsten Jahr ein neues Mitglied wirbt, dann haben wir zu Kleists 250. Geburtstag 250 neue Mitglieder und damit eine tragfähige Basis für Aktivitäten auch nach 2027.

Bitte denken Sie darüber nach, wen Sie ansprechen könnten. Um ein Zeichen zu setzen, hat Günter Dunz-Wolff rechtzeitig zu Weihnachten Buttons mit unserem Logo erstellt, die er für eine Spende gerne verschickt.

Advent heißt Ankunft. Für mich steckt gerade diese Zeit voller Erwartungen, Ideen und Zuversicht.

In diesem Sinne frohe Weihnachtstage und einen guten Start ins Neue Jahr!

Ihre
Anne Fleig


Mitglieder-Werbekampagne 2027

Buttons mit dem Logo unserer Gesellschaft (c) Günter Dunz-Wolff

Rechtzeitig zu Weihnachten: Buttons mit dem Logo unserer Gesellschaft

Anlässlich unserer neuen Mitglieder-Werbekampagne 2027 haben wir schmuckvolle Buttons für Mitglieder, Freundinnen und Freunde unserer Gesellschaft produzieren lassen. Es gibt sie sowohl mit weißem wie auch mit farbigem Hintergrund. Interessierte Mitglieder können sich per Email beim Schatzmeister Günter Dunz-Wolff melden (kgs.schatzmeister@gmail.com) und Buttons für den eigenen Gebrauch, für Freunde und Interessierte bestellen. Die Buttons haben eine dezente Größe von nur 25 mm (mit Butterfly-Verschluss, ohne Nadel). Die Selbstkosten liegen bei ca. 1 € pro Stück (plus Versandkosten). Als 'Bezahlung' würden wir uns über eine kleine Spende an die Gesellschaft sehr freuen.


Impressionen von der Kleistpreisverleihung 2025

Die diesjährige Preisträgerin: Die Lyrikerin, Autorin, Übersetzerin und Verlegerin Daniela Seel
Musikalisches Begleitprogramm: Roland Dahinden
Almut Zilcher, Ensemblemitglied am Deutschen Theater Berlin, liest aus Kleists Penthesilea
Grußwort von Anne Fleig, Präsidentin der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft
Laudatio des Autors und Journalisten René Aguigah, Vertrauensperson der Jury
Feierliche Urkundenübergabe
Das Copyright sämtlicher Aufnahmen liegt bei: (c) Lorenz Brandtner

Almut Zilchers Penthesilea, das Grußwort von Anne Fleig, die Laudatio von René Aguigah und die Preisrede von Daniela Seel können Sie hier nachhören.


Erlesenes

Am zweiten Abend unserer Jahrestagung gab es beim Kleist-Salon einen Hinweis von Burkhard Wolter auf ein Gedicht mit Kleist-Bezug des ungarischen Dichters Szilárd Borbély (1964-2014). Es bedenkt die Spuren der Gewalt an den Ufern des Wannsees und entstammt dem Band Berlin Hamlet, der 2003 im ungarischen Original, zusammen mit Gedichten aus anderen Bänden aber erst 2019 in deutscher Übersetzung erschien. Gisela Dimroth machte Burkhard Wolter darauf aufmerksam, weil er sich schon lange für Lyrik und das Grab Heinrich von Kleists interessiert. Die Berliner Essayistin, Kritikerin und Übersetzerin Marie Luise Knott hat 2014 den Nachruf auf Borbély verfasst und auf Nachfrage erzählt, dass sie einst mit dem Autor das Kleistgrab am Wannsee besucht hat.

[Wannsee]

Wo ist denn Otmar Freiherr von Verschuer,
gelehrter Doktor, besessener Geist,
der den Fortschritt über alles schätzte?
Doch leider schätzte er nur ihn!

Der frisch sezierte Köpfe in Spiritus erhielt
– die Reichspost lieferte sie aus dem Osten –, weil
er die Züge gequälter Kindergesichter bewunderte.
Und vor allem schwärmte er für Zwillinge.

Sein Famulus schickte ihm immer die aus den frischen
Leichen anatomisch korrekt herausgeschnittenen Teile,
unschuldige Augen, weil den Meister danach verlangte.
Und seine Sammlung noch heute eine Seltenheit!

Wo sind Georg Leibbrandt, Erich Neumann, Wilhelm
Kritzinger, wo Gerhard Klopfer, der Jurist, Otto Hofmann,
der Kaufmann, und Henrich Müller, der spurlos verschwand?
Und die anderen neun, wo sind sie hin?

Fünfzehn Männer unterhielten sich am zwanzigsten Januar
Neunzehnhundertzweiundvierzig in einer der Villen am Großen Wannsee
im Dunst von bitterem Zigarettenrauch und starkem Cognac.
Der herbe Geruch erinnerte gar nicht an Blut.

Und bald gehen bei der Erfurter Firma Topf & Söhne
Unerwartete Bestellungen ein. Da aber fragte schon
keiner mehr, wo ist der verrückte preußische Beamte?
Und wohin verschwand das Blau aus Henriette Vogels Augen?

(Szilárd Borbély: Berlin Hamlet. Gedichte. Aus dem Ungarischen und mit einem Nachwort von Heike Flemming, Berlin 2019, S. 56.)


Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft

c/o Prof. Dr. Anne Fleig
Freie Universität Berlin
Institut für deutsche und niederländische Philologie
Habelschwerdter Allee 45
14195 Berlin

E-Mail anne.fleig@fu-berlin.de